Sterbehilfe soll neu geregelt werden - aber wie? Experten-Chat mit Volker Leisten
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Sterbehilfe soll neu geregelt werden - aber wie? Experten-Chat mit Volker Leisten

Der Bundestag will die Sterbehilfe in Deutschland neu regeln. Vier Gesetzentwürfe werden derzeit diskutiert. Ein Patentrezept, das allen gerecht wird, gibt es derzeit nicht. Wir diskutierten darüber mit einem Experten. Fragen und Antworten können Sie unten noch nachlesen.

  • Dieser User glaubt, dass eine Verfügung regelmäßig erneuert werden muss. Doch das stimmt so nicht.

    Ich arbeite selber auf einer Pflegestation. Unsere Patienten haben alle eine Patientenverfügung. Jedoch muss diese laut Gesetz jedes Jahr erneuert werden. Aber wie ist das bei schwer dementen Patienten? Haben bei diesen im Zweifelsfall Betreuer das Sagen und der Notarzt entscheidet auf Absprache mit den Angehörigen oder dem Betreuer? Was bringt es dann, dass man den eigenen Willen zu "klaren" Zeiten äußert?

    Zunächst einmal: Eine Patientenverfügung hat eine unbegrenzte Gültigkeit. Es ist lediglich zu empfehlen, diese Verfügungen alle ein bis zwei Jahre zu bekräftigen. Der Gesetzgeber verlangt keine jährliche Erneuerung.

    Die DGHS bietet als einzige Organisation eine Demenzverfügung an - wohlwissend, dass das ein sehr sensibles Gebiet ist.
    Wir empfehlen, sich über den Verlauf einer Demenzerkrankung beraten zu lassen und genau zu definieren, in welcher Phase der Krankheit seine Verfügungen umgesetzt werden sollen. 
    von Volker Leisten bearbeitet von Martin Mrowka 11/5/2015 12:24:12 PM
  • Hier eine interessante Frage zu Patientenverfügungen:

    Was gehört in eine Patientenverfügung? Muss ich unbedingt einen Notar aufsuchen, um solch eine Verfügung zu erstellen?


    Eine Patientenverfügung regelt Ihre persönlichen Wünsche für eine medizinische Behandlung in Krisensituationen oder am Lebensende.
    Sie bestimmen über Therapie oder Abbruch. Darauf haben Sie einen Rechtsanspruch. Wer Ihre Verfügung nicht befolgt, macht sich strafbar.

    Eine Patientenverfügung braucht keinen Notar.
    Im Idealfall lassen Sie Ihren Bevollmächtigten mit unterschreiben. Bei einer Vorsorgevollmacht ist ein Notar zu empfehlen, wenn es sich z.B.  um Vermögensvorsorge handelt.
    von Volker Leisten bearbeitet von Martin Mrowka 11/5/2015 12:24:08 PM
  • Volker Leisten ist ehrenamtliches Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS). 

    Volker Leisten 

    Die DGHS setzt sich für die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts am Lebensende ein. Sie berät über Optionen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. 
  • CDU-Politiker Peter Hintze setzt sich für einen Gesetzentwurf ein, der todkranken Menschen ermöglicht, ihren Arzt des Vertrauens um Hilfe beim friedlichen Entschlafen zu bitten. Gegenüber t-online.de sagte Hintze: "In jedem Suizidbeihilfe-Fall droht eine Gefängnisstrafe, wenn die Staatsanwaltschaft eine Wiederholungsabsicht unterstellt." Das würde viele Ärzte treffen.

    Der Bundestagsvizepräsident befürwortet Sterbehilfe, verspricht sich allerdings von keinem der vier aktuell im Bundestag diskutierten Gesetzesentwürfe eine Lösung. Für ihn bedeuten die vorgeschlagenen Reformen eine "Kriminalisierung der Sterbehilfe" mit weitreichenden Folgen: "Das würde das Verhältnis der Patienten zu ihren Palliativmedizinern oder Onkologen aufs Schwerste belasten."

    Es geht um Leben und Sterben in Würde, um Palliativmedizin contra Sterbehilfe für Todkranke. Juristische, medizinische, ethische und religiöse Bedenken spielen dabei eine Rolle. Diese machen es den Abgeordneten schwer, ihre Stimme für die umstrittene Reform  der Sterbehilfe abzugeben. 

  • Apropos Palliativ-Medizin: 

    Heute hat der Bundestag das Palliativ- und Hospiz-Gesetz von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) beschlossen. 

    Im Parlament bestand großes Einvernehmen, die Betreuung und Begleitung todkranker Menschen zu verbessern. Zur Stärkung der Hospiz-Kultur und Palliativ-Versorgung in Pflegeheimen und Krankenhäusern wird Sterbebegleitung ausdrücklicher Bestandteil des Versorgungsauftrags der sozialen Pflegeversicherung. 

    Mehr dazu lesen Sie hier.

  • Wie eine Umfrage zeigt, spricht sich in Deutschland eine
    breite Mehrheit für eine ärztlich begleitete Sterbehilfe aus.




  • Würdevolles Sterben ist für viele Leser oberstes Gebot:

    Das wichtigste Gebot muß sein, einen Menschen würdevoll, auch gegebenfalls auf eigenes Verlangen, serben zu lassenfresieum 12:15

    Warum darf nicht jeder selbst entscheiden, wann er sein Leben beenden möchte? Die Würde des Menschen ist unantastbar, heißt es im Grundgesetz. Wo aber bleibt die Würde, wenn ich qualvoll bis zu meinem Ende dahin siechen muss? Jedes Tier erhält eine Spritze um es von seinen Leiden zu erlösen.Karinum 12:16

  • Die meisten Deutschen möchten im Fall einer schweren, unheilbaren Krankheit die Wahl haben, aus dem Leben zu scheiden.

  • Leserin A. Klopsch mit einer Frage zu Reanimationen:

    Was muss man unternehmen, um auf gar keinen Fall reanimiert zu werden? Denn dann braucht man im Zweifelsfall auch keine Sterbehilfe.


    Jeder hat das Recht, medizinische Behandlungen - also auch Reanimation - zu verbieten. Persönlich, mündlich wie etwa vor schwierigen Operationen, oder schriftlich mit Patientenverfügung.

    Doch Vorsicht bei pauschalen Verboten: Es kommt auf die präzise Schilderung der Situation an, in der ich keine Reanimation mehr erlaube.
    Eine Reanimation etwa  im Verlauf eines Unfalls mit temporärem Herzstillstand  kann durchaus gewünscht, weil lebensrettend sein.

  • Dieser Leser möchte zum Thema aktive Sterbehilfe vs. Gewissensfragen etwas wissen.

    Wie geht man mit den Gewissensnöten derjenigen um, die in Zukunft die aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, durchführen sollen?


    Die Tötung auf Verlangen, also die aktive, direkte Sterbehilfe ist im Strafrecht verboten. Hier spielt nicht nur das Gewissen, sondern auch das Strafrecht eine entscheidende Rolle. Die sogenannte "Tötung auf Verlangen" hat nichts mit einem Suizid zu tun. Hier liegt die Täterschaft nicht beim Sterbewilligen, sondern allein beim Sterbehelfer.
    von Volker Leisten bearbeitet von Martina Hansper, t-online.de 11/5/2015 11:40:57 AM
  • User Prix2 befürchtet eine Entwertung des menschlichen Lebens durch aktive Sterbehilfe:

    Wie kann man sicherstellen, dass die aktive Sterbehilfe keine gesellschaftliche Entwertung des menschlichen Lebens bewirkt? Wer schützt Menschen, die sich gegen die aktive Sterbehilfe entscheiden, vor dem gesellschaftlichen Druck, dem sie in einigen Jahren unterliegen könnten. Zumindest dann, wenn wir die aktive Sterbehilfe zur 'resourcensparenden' Option erheben?


    Die aktive Sterbehilfe im Sinne der "Tötung auf Verlangen" ist strafbar, § 216 StGB.
    Und wird es auch bleiben. Alle anderen Formen der Sterbehilfe sind in Deutschland straffrei – noch.

    Dies wollen einige Politiker in diesem Jahr ändern.
    Im Grundgesetz verpflichtet sich der Staat zum Schutz des Lebens - jedoch nicht gegen den Willen des Individuums.

    Jeder hat ein Recht auf Selbstbestimmung, auch am Lebensende. 80 % der Deutschen Bevölkerung wollen am Lebensende die Wahlfreiheit unter allen Alternativen, dazu zählt die palliative Versorgung ebenso wie der Freitod.

    Niemand will fremdbestimmt sterben müssen.
    Der gesellschaftliche Druck oder die ressourcensparende Option existiert nicht und ist reine Rhetorik. Dies beweisen die Regelungen z.B. in der Schweiz, Belgien, den Niederlanden oder auch USA (Oregon).

    von Volker Leisten bearbeitet von Martina Hansper, t-online.de 11/5/2015 11:43:56 AM
  • Leser "Fritz" mit einer Frage zur Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), der unser Experte Volker Leisten angehört.


    Warum bietet DGHS keine Medikamente für den Freitod an, wenn die Beihilfe zum Suizid straffrei ist? Selbstbestimmung kann nur stattfinden, solange ich eine Entscheidung treffen kann.
     

    Die DGHS ist ein voll gemeinnütziger Verein und laut Satzung keine Sterbehilfe-Organisation. Die Beschaffung und Weitergabe von Medikamenten würde gegen Gesetze verstoßen.
  • Wir bekommen eine sehr hohe Zahl von Fragen. Leider wird es voraussichtlich nicht möglich sein, alle Fragen zu beantworten. 
  • Für Leser Frank ist nur das Begleiten human:
    Humanes Sterben heißt für mich nicht töten sondern begleiten.frankum 12:34

  • Drängt die aktive Sterbehilfe Menschen möglicherweise in den
    Freitod? Über diese Frage herrscht Uneinigkeit in der Bevölkerung.  



  • Die Frage nach selbstbestimmtem Sterben bewegt viele unserer User. Die Frage von Leser "Meier" deshalb exemplarisch für viele andere:

    Warum hat nicht jeder Mensch selbst das Recht zu bestimmen, wann und wie er sterben möchte. Oder ob ihm jemand dabei hilft? Diese Argumente von Politik, Kirche und Medizin dienen doch nur der Einnahmensicherung, weil diese Gruppen gut an kranken Bürgern verdienen.


    Ich stelle mir die gleichen Fragen.
    Wer sich jedoch mit den in Deutschland geltenden Bestimmungen zum Lebensende beschäftigt, wird feststellen, dass wir im Prinzip aktuell eine liberale gesetzliche Regelung haben.

    Es besteht allerdings die Befürchtung, dass dies durch eine künftige Gesetzgebung eingeschränkt wird.
    Ich persönlich kenne keine Strategie der Pharma-Industrie, die eine humane Sterbehilfe verhindern will.
    von Volker Leisten bearbeitet von Andrea Goesch 11/5/2015 11:58:42 AM
  • Würdevoll bedeutet begleitet, ist die Meinung dieses Lesers: 

    Zum würdevollen Sterben gehört auch eine Begleitung des Sterbenden. Jährlich sterben alleine in Altenheimen und Krankenhäusern tausende Menschen alleine, sie werden dann beim nächsten Hineinschauen ins Zimmer tot vorgefunden. Hier werden dringend Ehrenamtliche gesucht, die sich auch mal ans Bett eines Sterbenden setzen und wenn es nur zum Händehalten ist.Anonymous Userum 13:04

  • Bei "Silkes" Frage geht es um passive Sterbehilfe:

    Was muss man tun, damit man - wenn man es selbst nicht mehr kann - respektiert wird, dass man sterben will und keine lebenserhaltenden Maßnahmen mehr getroffen werden? Reicht eine Patientenverfügung aus?


    In jedem Fall reicht eine präzise formulierte Patientenverfügung - möglichst in Verbindung mit einem kompetenten und durchsetzungsstarken Bevollmächtigten.
     
    von Volker Leisten bearbeitet von Andrea Goesch 11/5/2015 12:17:28 PM
  • Liebe User, 

    hiermit beenden wir unseren Experten-Chat zum Thema Sterbehilfe. Vielen Dank für Ihre Teilnahme - und die zahlreichen Anregungen. Leider konnten wir nicht alle Fragen und Kommentare beantworten. 

    Hier können Sie die Fragen und Antworten aber noch nachlesen.
    von Martina Hansper, t-online.de bearbeitet von Martin Mrowka 11/5/2015 1:05:55 PM
  • Die aktuelle Rechtslage zur Sterbehilfe sieht so aus: 

    Aktive Sterbehilfe: Sie ist in Deutschland strafbar. Wer jemanden auf dessen Wunsch tötet, wird wegen Tötung auf Verlangen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. 

    Passive Sterbehilfe: Gemeint ist der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen. Laut Bundesgerichtshof dürfen Ärzte die Maßnahmen auch dann abbrechen, wenn der Patient noch nicht kurz vor dem Tod steht. Sie müssen sie abbrechen, wenn der Patient das will.

    Indirekt Sterbehilfe: Die Verabreichung starker Schmerzmittel, die durch ihre Wirkung auf geschwächte Organe das Leben verkürzen können, ist nicht strafbar - wenn dies dem Willen eines extrem leidenden, sterbenden Menschen entspricht. 

    Beihilfe zum Suizid: Suizid und Beihilfe zum Suizid sind nicht strafbar. Das heißt, ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist erlaubt. 
  • Auch User "Safari" interessiert sich auch für das Thema Patientenverfügung:

    Wenn ein Patient eine Verfügung hat und durch seine Krankheit unheilbar erkrankt ist, darf dann nach ausführlicher Betrachtung der Situation die Therapie  "eingefroren" werden?


    Auf jeden Fall. Nach dem geltenden Betreuungs-Verfügungsgesetz hat jeder das Recht auf Nichtbehandlung oder Behandlungsabbruch. Dafür braucht es im Prinzip noch nicht einmal eine Patientenverfügung, solange der Patient noch urteils- und äußerungsfähig ist.
     
    Eine schriftliche Patientenverfügung bleibt jedoch das beste Vorsorgeinstrument zur Absicherung eines selbstbestimmten Sterbens.

    von Volker Leisten bearbeitet von Martin Mrowka 11/5/2015 1:09:41 PM
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