Debatte: Ist unsere Justiz zu lasch?
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Debatte: Ist unsere Justiz zu lasch?

    Wolfgang Knorr prangert die Vielzahl an Bewährungsstrafen an: In der Tat werden laut Statistik sieben von zehn Freiheitsstrafen zur Bewährung ausgesetzt. Experten halten es aber für "absoluten Quatsch", dass speziell Deutschland wie ein Magnet auf Kriminelle wirkt. Die europäischen Länder allgemein wirken anziehend, weil es hier in der Tat "viel zu holen gibt".

    Wie es sich bereits in unseren Nachbarländern herumgesprochen hat, sind wir ein Paradies für Gesetzesbrecher aller Art. Selbst bei nachgewiesenen Delikten, sind Bewährungsstrafen die Regel!Wolfgang Knorrum 11:22die 

    Unsere Debatte „Ist unser Justizsystem zu lasch?“ endet jetzt. Wir bedanken uns für Ihre rege Teilnahme. Leider konnten wir bei der Vielzahl der eingegangenen Kommentare nicht jeden Beitrag berücksichtigen.

    Zu Ihrer Beruhigung: Insgesamt ist die schwere Kriminalität rückläufig. Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung ist von Delikten wie Wohnungseinbruch, Raub, KFZ-Diebstahl betroffen. Damit gibt es ein deutliches Auseinanderklaffen zwischen der gefühlten und der wirklichen Sicherheitslage.

    von Evelyn Bongiorno-Schielke bearbeitet von Cordula Melchior, t-online.de 5/3/2016 10:53:44 AM
    Ein weiteres Problem: Viele Täter radikalisieren sich im Gefängnis erst und lernen von den "schweren Jungs" Neues dazu. Ein Experte meinte sogar:

    Gefängnisse sind die reinsten Desozialisierungsmaschinen.


    Noch ein t-online.de-Nutzer mit interessanten Erfahrungen:

    Ich bin Hausmeister einer Wohnanlage für Straffällige. Was ich auch festgestellt habe, ist dass die Betreuung nach der Entlassung aus dem Gefängnis zu oberflächlich ist. Alle Personen unserer Wohnanlage sind kurz über lang wieder rückfällig geworden. Diese Personen leben in einer anderen Welt. Sie sind nicht gewillt, sich in der Gesellschaft einzuordnen. Wegsperren ist nicht die beste Lösung, da wird nur das Abhängen gefördert. Arbeitsstunden sind viel nützlicher und effektiver.GeorgDienstag, 3. Mai 2016 am 12:40

    Herkules wirft einen neuen Aspekt auf: Das Geld:

    Die Richter sind angehalten, Geld einzusparen. Eine Bewährung kostet fast nichts. Ein Aufenthalt im Gefängnis ca. 3000 €/Monat. Und schon erklärt sich die Gerichtsbarkeit von selbst.HerkulesDienstag, 3. Mai 2016 am 12:14

    von Lukas Martin bearbeitet von Cordula Melchior, t-online.de 5/3/2016 10:18:48 AM
    Und noch ein interessantes Phänomen hat die Staatsanwältin bei den Intensivtätern beobachtet: 

    Meine Erfahrung ist, dass es für die Hälfte nur eine
    begrenzte Zeit so ist und sich dann ausschleicht.
    Ich weiß nicht, warum. Eine gesicherte Erkenntnis ist, dass diese Phase oft beendet wird, wenn sie eine Frau finden und eine vernünftige Beziehung führen.
     
    von Evelyn Bongiorno-Schielke bearbeitet von Cordula Melchior, t-online.de 5/3/2016 10:16:42 AM
    Eine Jugendstaatsanwältin beruhigt uns immerhin im Hinblick auf jugendliche Intensivtäter:

    Es ist nur eine ganz kleine Gruppe, die unverbesserlich erscheint und uns Problem bereitet.



    von Evelyn Bongiorno-Schielke bearbeitet von Cordula Melchior, t-online.de 5/3/2016 10:15:51 AM
    Ich hoffe, ich gehe mit meiner Interpretation nicht zu weit: Anwohner ist offenbar der Meinung, dass unser Justizsystem die Intensivtäter regelrecht züchtet.

    Rätselhaft, wie man "Intensivtäter" werden kann. Einmal Mist gebaut, ok, kriegt eine Chance. Beim zweiten Mal wäre bei mir vorbei. Wer ständig auf Bewährung ist, lernt nur eins: Ich kann tun und lassen, was ich will.AnwohnerDienstag, 3. Mai 2016 am 12:05

    Anonymus teilt seine eigenen Erfahrungen mit uns - und er ist sauer:

    Wenn ich sehe, wie sich ausländische Clans in Gerichtssälen benhmen, wenn einer der Ihren abgeurteilt wird, wie Richter und Staatsanwälte beschimpft, beleidigt und bedroht werden, wie kein Respekt vor der Polizei herrscht und diese noch als "Pussypolizei" betitelt wird, frage ich mich manchmal, ob ich in Absurdistan lebe.Anonymous UserDienstag, 3. Mai 2016 am 11:59

    Genau diese Frage, ob härtere Strafen abschrecken, habe ich neulich einem Kriminologen gestellt. Seine Antwort:

    Härtere Strafen schrecken nicht ab. Das Einzige, was abschreckt, ist ein hohes Risiko, erwischt zu werden.

    Und an dieser Stelle ist dann auch die Forderung sinnvoll, die Polizei zahlenmäßig aufzustocken.
    von Evelyn Bongiorno-Schielke bearbeitet von Cordula Melchior, t-online.de 5/3/2016 10:04:21 AM
    Pumuckl greift die frühere Diskussion wieder auf, was eine Strafe denn bewirken soll. Rache für die Opfer oder eine Abwägung, was sie der Gesellschaft nutzt. Gerade bei Gewaltdelikten haben viele Kommentatoren den Eindruck, dass die Strafen nicht genug abschrecken:

    zu Alpenbär: Eine Strafe hat doch mit Rache nichts zu tun. Milde Strafen laden doch dazu ein, es immer wieder zu tun. Körperverletzung fügt den Opfern oft dauerhaft schwere Schäden zu und die Täter bekommen Bewährungsstrafen und schlagen beim nächsten mal wieder jemanden krankenhausreif, weil sie einfach nicht viel zu befürchten haben.PumucklDienstag, 3. Mai 2016 am 11:56


    Ein weiterer anonymer Nutzer stellt die Verhältnismäßigkeit der Urteile infrage - und prangert an, dass Sexualstraftäter zu milde Strafen bekommen.

    Solange zum Beispiel Steuerhinterziehung härter bestraft wird als Kindesmissbrauch, kann man wohl nicht von einem Rechtssystem sprechen.Anonymous UserDienstag, 3. Mai 2016 am 11:51

    Schmidi sagt, er habe schon erlebt, wie Polizei und Opfer verhöhnt werden:

    Ich kann aus eigener beruflicher Erfahrung sagen, dass viele Täter von der Justiz mit Samthandschuhen angefasst werden. Die verhöhnen die Polizei und die Opfer und kommen damit auch noch durch! Unser Rechtsstaat darf sich das nicht gefallen lassen !Schmidium 11:12

    L. Borchert vertritt da eine Meinung, die ich nicht teilen kann.

    Ein Richter sollte beim Urteilsspruch immer die öffentliche Meinung im Blick haben. Denn falsche Signale geben den Menschen den falschen Eindruck, machen zu können, was Sie wollen.L.BorchertDienstag, 3. Mai 2016 am 11:39

    Der Job von Richtern ist es, eben nicht auf die öffentliche Meinung zu hören, damit jeder Mensch die Chance auf ein gerechtes Urteil hat. Egal, ob sein Fall heiß in der Öffentlichkeit diskutiert wird oder nicht. 

    Sonst können wir die Leute gleich auf dem Marktplatz an den Pranger stellen und das Publikum den Daumen heben oder senken lassen.
    Unser Leser Hanomatz spricht genau den Punkt von AlpenBär an. Er geht offensichtlich von Rache aus. Der Gedanke hinter der Maximalstrafe ist, dass jeder Täter eine neue Chance bekommen soll - und das wird unmöglich, wenn jemand tatsächlich bis zu seinem Tod im Gefängnis sitzt.

    Wer ist wann eigentlich auf die Idee gekommen, aus lebenslanger Haft maximal 15 Jahre, bei guter Führung vielleicht sogar noch weniger werden zu lassen? Da nimmt ein Mensch dem anderen sein Leben, stürzt dabei womöglich auch Angehörige in tiefes Unglück, und ist spätestens nach 15 Jahren wieder ein freier Mensch und darf sich seines Lebens erfreuen. Das habe ich an unserem Rechtssystem noch nie kapiert.hannomatzDienstag, 3. Mai 2016 am 11:35

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